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Ein Ballon als Zugpferd

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Man nehme einen Heißluftballon und einen Profisurfer mit „Schmalz“ in den Armen. Verbinde beide mit einer 150 Meter langen Leine. Und lasse den kräftigen Tegernseer Bergwind los. – Fertig ist eine Weltpremiere.

Wenn zwei zusammensitzen, die in ihrem jeweiligen Element so zuhause sind wie Stephan Eder (im Wasser) und Michael Unger (in der Luft), dann kann schon mal etwas herauskommen, was im ersten Moment ein bisserl g‘spinnert klingt. Gerade das hat die Chefs vom Sailingcenter Bad Wiessee bzw. von Ballooning Tegernsee aber ganz besonders gekitzelt. „Es hat uns selber interessiert, ob das funktioniert“, sagt Ballonpilot Michi Unger. „Das“ – das war in diesem Fall die Frage, ob ein Heißluftballon einen Surfer über den Tegernsee ziehen kann.

Pressekonferenz_Michael Unger, Stephan Eder, Carsten Kurmis, Peter Hubert_v.l.n.rMichael Unger, Stephan Eder, Carsten Kurmis, Peter Hubert (v.l.n.r)

Der Dritte für den feuchtfröhlichen Bund war schnell gefunden: Der Münchner Surf- und SUP-Profi Carsten Kurmis, ein Wellenreiter-Urgestein mit jeder Menge Erfahrung von Meer, Fluss (Eisbach!) und Seen, wollte sich nur zu gern vom „Buzi-Ballon“ des Tegernseer Bräustüberls die Arme lang ziehen lassen. Bräustüberl-Marketingchefin Sonja Reinert organisierte das notwendige Technikteam samt Kameraleuten und mehrerer Drohnen, die das Material lieferten, aus dem der Tegernseer Philipp Marquardt, aufstrebendes Filmemachertalent von der Filmhochschule Berlin, jenen zweieinhalbminütigen Clip (siehe oben) schnitt.

Und so ging’s:

Am frühen Morgen des 1. Juli gingen Michael Unger und sein Team am „Grea Wasserl“ mit dem Buzi-Ballon zwischen Kreuth und Bad Wiessee in die Luft. Sie stiegen zunächst auf mehrere hundert Meter Höhe und ließen sich vom dort herrschenden Westwind über das südliche Seeende treiben. Dort verließ man die „Reiseflughöhe“ und sank auf etwa 150 Meter Höhe über den See. Dort, quasi im Schutz der umliegenden Berge, pfeift im Sommer morgens bis ca. 9 Uhr die „Bergdüse“, ein kräftiger, kühler Fallwind aus Süden, den traditionell viele Surfer ausnutzen. Unten auf dem Wasserspiegel warteten schon Carsten Kurmis und, im Begleitboot, Stephan Eder. Der Abwurf der 150-Meter-Leine (ein extraleichtes, 6mm-Schwimmseil, mittels Quick Relay am Ballonkorb befestigt) gelang punktgenau. Einmal gescheit zugegriffen – und los ging der wilde Ritt über den ruhigen See.

Ballon_Credit_Andre Guerteler pic by Andre Guerteler

click for fullsize – all pics by Andreas Leder

Mit etwa 20 km/h, schätzt Michael Unger, blies der Bergwind; auf stolze 30 km/h brachte es Carsten Kurmis, weil er mit seinem wendigen, leichten Starboard ordentlich Slalom fuhr. Rund 19 Minuten brauchten Ballon samt Anhang bis zum Tegernsee-Nordende unterhalb von Kaltenbrunn, wo das Luftteam den Boarder kurzerhand ausklinkte.

Bleibt nachzutragen, dass zuvor natürlich alle Behörden – vom Luftamt Süd bis zur Polizei – von der Geheimmission unterrichtet wurden. Und dass die Weltpremiere abschließend im Bräustüberl auf Einladung von Wirt und Sponsor Peter Hubert ordentlich gefeiert und begossen wurde.